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Vom Tanzpaar zum Tanzcorps

Spitzenleistung im Wandel der Zeit

Es ist für fast jede Karnevalsgesellschaft immer ein erstrebenswertes Ziel gewesen, karnevalistische Heimat für ein Tanzcorps oder eine Tanzgruppe zu sein. Bereits in den Anfangsjahren des Karnevals sah man die Chance, durch Anwerbung einer Gruppe von jungen Männern, die Jugend zur Aufrechterhaltung des karnevalistischen Brauchtums zu gewinnen. Dies hat die Luftflotte bereits im Jahre 1927. Ein Jahr nach der Gründung der Gesellschaft erkannt.

Im Jahre 1927 trat in der Luftflotte erstmals ein Tanzpaar auf, welches durch Franz Richartz als Tanzoffizier und Karl Droese als "Mariechen" dargestellt wurde. Die Stellung eines männlichen "Mariechens" entsprach der damaligen Vorstellung. Kommandant des „Mini-Schmölzje“ wurde Heinz Frey.

Im Jahre 1930 konkretisierten sich die Pläne zu einem Tanzcorps. Dies erwies sich jedoch als äußerst schwierig und umfangreich. Es bedurfte schon einiger Zusammenkünfte und Gespräche zur sogenannte Kultivierung dieses Gedankens. Bedacht werde musste auch hierbei die Kostenfrage mit den Begleiterscheinungen der äußerlichen Darstellung mittels Uniform oder Kostüm sowie die Gestaltung und das Einstudieren eines Tanzes.

Auf dieser Basis und nach Anwerbung einer stattlichen Anzahl junger Männer, wurden  im Jahr 1931, unter der Leitung des Ballettmeisters Karl Theo Steinbach, diese Männer zu einem Tanzcorps ausgebildet. Zu ihrem Tanz hatte der Kölner Pianist Franz Engelskirchen die zündende Idee, den Propellertanz. Else Frey übernahm als Ehrenkommandantin die Patenschaft für dieses Tanzcorps und der bekannte Zeppelinführer Ernst U. Lehmann, er verstarb bei dem legendären Brand des Luftschiffes Hindenburg in Lakehurst, übernahm die Schirmherrschaft. Die Taufe des Tanzcorps führte im Auftrage des Festkomitees der Bannerhäär der Kölner Narrenzunft Philipp Herold durch.

Der erste Auftritt des Tanzcorps fand in der Rheinlandhalle in Ehrenfeld statt. In ihren blau-weißen Uniformen kamen die jungen Leute bei dem Publikum hervorragend an, denn die damalige Zeit hatte etwas übrig für schnittige Uniformen. Dazu lieferten die rotierenden Propeller, die für den eigens entwickelten „Propellertanz“ gebaut worden waren, ein faszinierendes Bild. Dieses Element findet sich noch heute in der Choreoprahie eines Tanzes wieder.

Im Jahre 1936 wurde dann auf Grund feministischer Ambitionen per Bannbulle die Darstellung des Mariechen durch das männliche Geschlecht untersagt. Das Mariechen musste von diesem Moment an tatsächlich vom zarten Geschlecht dargestellt werden. Hierdurch nahm Herr Franz Rößler als letztes männliches "Mariechen" gezwungener Maßen seinen Abschied und wurde durch das erste weibliche Mariechen Käthe Breuer ersetzt.

Nach der Zwangspause, verursacht durch den zweiten Weltkrieg, fand sich im Jahre 1947 das Tanzcorps zum Neuaufbau zusammen. Durch Inkraftsetzung aller Energien wurde das Männercorps wieder aufgebaut und durch Ballettmeister Arthur Sprankel wurden die Tänze neu einstudiert.

Immer ist das Tanzcorps das Aushängeschild der Luftflotte geblieben. Und doch war es im Jahr 1967 nicht mehr einsatzfähig, da die Bundeswehr eine ganze Reihe der jungen Mitglieder eingezogen hatte. Mit einem „Rumpf- Corps“ war die Session 1967 jedoch nicht zu bestreiten. Alles drängte auf eine schnelle Lösung. Die rettende Idee kam schließlich von Präsident Erich Schwender: Verzicht auf den traditionellen Propellertanz und Aufstellung eines Mädchen-Tanzcorps. Ballettmeister Peter Schnitzler trainierte mit den Stewardessen einen „Tanz um die Welt“ – den Vorläufer der heutigen „Reise um die Welt“. Dank der materiellen Hilfe von Gönnern und Freunden, die die Gesellschaft bei der Einkleidung der Mädchen unterstützten, eroberte das neue Corps in der folgenden Session 1968 im Nu die Bühnen im Kölner Karneval. Kommandant war Bert Pulheim.

Im Jahr 1976 fand eine weitere, ganz besondere Dame zu unserem Corps,"Biggi" Fahnenschreiber-Depenheuer. Sie steht auch heute noch für die Choreographie und die ganzheitliche Ausstrahlung des Tanzcorps.  Sie verleiht diesem Corps seinen ganz eigenen Charakter.

Doch auch dies konnte auf Dauer nicht den Zahn der Zeit aufhalten, welcher kontinuierlich an dem Bestehen des Corps nagte. Wollte man sich den Neuerungen des Kölner Karneval nicht verschließen, so mussten "alte Hüte" abgelegt werden. Dieser Zeitpunkt war im Jahr 1988 genau richtig. Man beschloss nach langen Überlegungen, das Corps nochmals neu zu formieren.

Neue, starke Männer waren die Lösung. Die aktiven Damen des Tanzcorps warben ihre Partner, Freunde und Bekannte an und konnten diese zum Beitritt in das Tanzcorps animieren. So wurden dem weiblichen Tanzcorps acht junge Männer zur Begleitung und Unterstützung zur Seite gestellt. Dies allein reichte jedoch zur Modernisierung nicht aus. Es wurde zudem am Erscheinungsbild gefeilt. Hierdurch entstand das heutige Kostüm, welches das Tanzcorps zusätzlich zu den akrobatischen Leistungen auch noch mit optischem Effekt hervorheben sollte, was auch gelang.

Die modernen Trainingseinheiten, die bereits kurz nach Ende einer Session im März oder April des Jahres beginnen, lassen den Tanzsport als Leistungssport dastehen. Das wöchentliche Training, auch heute noch mit der Ballettmeisterin Biggi Fahnenschreiber und einem gut ausgebildeten Trainerstab,  sichert den hohen Leistungsstand des Tanzcorps. Mit viel Herz und Energie der einzelnen Akteure und mit der Unterstützung der ganzen Gesellschaft hat das Corps bis heute die Marke Luftflotte weiter über die Grenzen hinaus bekannt gemacht.